fpg423 – Skalieren Sie wirklich – oder reden Sie sich das nur ein?
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In dieser Folge geht es um eine Frage, die viele Unternehmer sich nie wirklich stellen.
Nicht weil sie schwierig ist. Sondern weil die ehrliche Antwort unbequem sein kann.
Die Frage lautet:
Will ich mein Unternehmen wirklich skalieren – oder sage ich das nur, weil man das eben so macht?
Ich habe kürzlich in meinem englischen Podcast „Founder Independence“ mit Tyler Jeffcoat gesprochen.
Tyler hat zwei Unternehmen aufgebaut und verkauft, darunter eine Buchhaltungs- und CFO-Beratungsfirma namens Seller Accountant.
Was er dabei gelernt hat, ist direkt anwendbar auf das, was ich immer wieder bei deutschen Unternehmern sehe:
Aber zunächst zum eigentlichen Thema.
Das Problem, das Tyler beschreibt
Tyler hatte in seiner Firma zwei Geschäftsmodelle gleichzeitig – nur hat er das anfangs nicht so gesehen.
Das eine war die Buchhaltungsseite: standardisierbar, prozessierbar, skalierbar. Klare Erfolgskriterien. Gute Mitarbeiter ließen sich einarbeiten. Das hat funktioniert.
Das andere war die CFO-Beratung, also die strategische Begleitarbeit mit Kunden. Das war sein eigentliches Kerngebiet. Und dort war das Problem: Die Kunden wollten Tyler. Seine Erfahrung, seine Urteilsfähigkeit, seine Art zu denken.
Als die Firma wuchs und er Nachfolger für diese Rolle suchte – er versuchte es fünfmal – scheiterte es jedes Mal. Nicht weil er schlechte Kandidaten hatte. Sondern weil das Geschäftsmodell auf seiner Persönlichkeit aufgebaut war. Das ist grundsätzlich nicht einfach zu skalieren.
Seine Erkenntnis daraus: Er hat den skalierbaren Teil verkauft, und sich auf das konzentriert, was er wirklich gut kann und was ihm Freude macht und das war die tiefe Beratungsarbeit mit einer überschaubaren Anzahl von Kunden.
Warum das so wichtig ist – und wo das 5-Stufen-Modell ansetzt
In meinem 5-Stufen-Modell ist Stufe 1 die Selbstführung. Und genau hier liegt der entscheidende Punkt.

Das 5-Ebenen-Modell der Unternehmensführung
Viele Unternehmer springen direkt zu Stufe 2 – dem Geschäftsmodell. Sie fragen sich: Wie muss ich mein Unternehmen aufstellen, damit es skaliert? Welche Strukturen brauche ich? Welche Prozesse?
Das ist aber die falsche Reihenfolge.
Denn bevor die Frage „Wie skaliere ich?“ sinnvoll zu beantworten ist, muss eine andere Frage beantwortet sein: Will ich das überhaupt – und was bedeutet das konkret für meine Rolle?
Skalierung bedeutet nicht einfach mehr Umsatz. Skalierung bedeutet, dass Sie sich als Unternehmer aus dem operativen Zentrum herausziehen müssen. Sie sind dann nicht mehr der Fachexperte, der die Kundenprobleme löst. Sie sind derjenige, der andere befähigt, diese Probleme zu lösen.
Das klingt auf dem Papier vernünftig. In der Praxis ist es für viele Unternehmer sehr schwer, weil es bedeutet, die Rolle aufzugeben, in der man bisher erfolgreich war.
Und wer das nicht wirklich will, sollte das klar benennen. Denn dann ist das kein Scheitern, dann ist das eine bewusste Entscheidung.
Die drei Wege – und keiner ist per se der richtige
Wenn Stufe 1 beantwortet ist, kommt Stufe 2: das Geschäftsmodell. Und da gibt es mehrere valide Wege.
Weg 1 – Konsequente Skalierung
Sie entscheiden sich dafür, ein Unternehmen zu bauen, das ohne Sie funktioniert. Sie bauen Strukturen auf, entwickeln Führungsebenen, ziehen sich schrittweise aus dem operativen Geschäft zurück.
Das erfordert, dass Sie die Rolle des Fachexperten dauerhaft abgeben. Stattdessen werden Sie zum Unternehmer im klassischen Sinne: Sie führen Menschen, die die eigentliche Arbeit tun.
Was dabei oft unterschätzt wird: Wenn Sie selbst nicht diese Unternehmerrolle übernehmen können oder wollen, weil Sie im Fachlichen stecken, dann brauchen Sie jemanden, der das tut. Einen Geschäftsführer oder Integrator, der die operative Steuerung übernimmt. Sonst haben Sie zwar ein skaliertes Geschäft, aber keinen, der es wirklich führt.
Weg 2 – Der Weg, den Tyler gegangen ist
Tyler hat erkannt, dass er zwei Geschäftsmodelle in einem Unternehmen hatte. Er hat den skalierbaren Teil verkauft und sich bewusst auf das konzentriert, was ihm wirklich liegt.
Er ist heute Fractional CFO für rund zehn mittelständische Unternehmen. Er sitzt in Beiräten. Er arbeitet tief mit wenigen Kunden. Das ist nicht maximal skalierbar, aber es ist ein stabiles, profitables Geschäft, das zu ihm passt.
Das erfordert Mut. Denn es bedeutet, aktiv auf Wachstumsmöglichkeiten zu verzichten.
Weg 3 – Schrittweises Wachstum
Viele Unternehmer starten stark personenbezogen, also als Berater oder Dienstleister mit direkter Kundenbetreuung. Und wachsen dann langsam: Sie bilden eine weitere Person aus, die in das Geschäft hineinwächst und irgendwann eigenständig Kunden betreuen kann.
Das ist weniger spektakulär als die anderen Wege. Aber es ist in vielen Fällen das Stabilste. Weil es organisch passiert, weil die Qualität erhalten bleibt, und weil die Unternehmerpersönlichkeit nicht auf einmal komplett neu definiert werden muss.
Was ich immer wieder höre – und was nicht funktioniert
„Ich will wachsen – aber ich will mich nicht verändern.“
Das funktioniert nicht. Nicht in der Logik, und auch nicht in der Praxis.
Ich sage das, weil ich es selbst kenne. Als ich mein Unternehmen verkauft habe und als Geschäftsführer in einem Konzern die operative Leitung einer globalen Serviceeinheit übernommen habe, war meine Rolle eine grundlegend andere als vorher.
Ich war nicht mehr der Techniker mit den Antworten. Ich war derjenige, der andere befähigt, die Antworten zu finden. Das war ein echter Prozess und nicht einfach ein Schalter, den man umlegt.
Der Satz, den Sie sich merken sollten
Seien Sie vorsichtig, was Sie sich wünschen. Es könnte in Erfüllung gehen.
Ein skaliertes Unternehmen bedeutet: weniger direkter Kundenkontakt, mehr Führungsarbeit, mehr Distanz zum Tagesgeschäft, mehr Abhängigkeit von anderen Menschen.
Nicht jeder will das wirklich. Und das ist völlig legitim.
Erfolg bedeutet nicht, einem bestimmten Modell zu folgen.
Erfolg bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen, das zu Ihnen passt: Zu Ihren Stärken, Ihrer Persönlichkeit, und dem Leben, das Sie als Unternehmer führen wollen.
Die Frage ist nicht: Wie skaliere ich? Die Frage ist: Will ich das wirklich und was bin ich bereit, dafür zu verändern?
Founder Independence
Das Gespräch mit Tyler Jeffcoat habe ich in meinem englischen Podcast „Founder Independence“ aufgezeichnet. Sehr direkt, sehr konkret und mit echten Fehlern aus zwei Unternehmensgeschichten und klaren Erkenntnissen.
Falls Sie Englisch sprechen: Die Episode lohnt sich:
Spotify: https://open.spotify.com/episode/0hPUqf2iOrKe0jgPzlSfmW
Der Unabhängigkeits-Check
Wissen Sie eigentlich, wie abhängig Ihr Unternehmen heute wirklich von Ihnen ist?
Die meisten Inhaber haben da ein Gefühl, aber kein klares Bild. Sie wissen, dass zu viel an ihnen hängt. Aber wo genau? Und was wäre der nächste sinnvolle Schritt?
Genau dafür habe ich den Unabhängigkeits-Check entwickelt.
16 Fragen, fünf Minuten und Sie sehen schwarz auf weiß, wie es um Ihr Unternehmen in fünf zentralen Bereichen steht: von Ihrer persönlichen Führung über Struktur und Strategie bis hin zu Ihrem Team.
Am Ende bekommen Sie ein individuelles Ergebnis und zwar mit einer konkreten Einschätzung, wo Sie heute stehen und worauf es für Sie als nächstes ankommt.
Das inspirierende Zitat
„It is ok for a business to have a season.“
Tyler Jeffcoat

