fpg422 – Der Unabhängigkeits-Check: Wo steht Ihr Unternehmen wirklich?
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Ich habe in den letzten sechs Jahren über 100 Unternehmer in meinem Leadership Intensive Mentoring Programm begleitet. Und das erste Gespräch läuft meistens gleich ab.
Ich stelle eine einfache Frage:
„Was ist Ihr größtes Problem gerade?“
Und die Antwort ist immer eine Variante desselben Satzes:
„Bernd, ich komme nicht raus aus dem Tagesgeschäft. Ich bin überall der Flaschenhals. Und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
In früheren Folgen habe ich mein 5-Ebenen-Modell der Unternehmensführung erklärt. Was ich dabei aber noch nicht gezeigt habe, ist das präzise Instrument dahinter.
Das Tool, das ich mit jedem neuen Mentoring-Teilnehmer einsetze, bevor wir auch nur eine Minute über Maßnahmen sprechen.
Heute zeige ich Ihnen, was das ist – und wie es entstanden ist.
DIE VIER TYPEN
Lassen Sie mich mit einer Frage beginnen: Welcher dieser vier Typen beschreibt Sie gerade am besten?
Typ 1: Der überlastete Macher.
Das ist der Unternehmer, der alles selbst macht und das nicht mehr abstellen kann. 70-Stunden-Woche. Ständig erreichbar. Urlaub ist kein Urlaub. Das Unternehmen funktioniert nur, solange er dabei ist. Er weiß, dass es so nicht weitergehen kann. Aber er weiß nicht, wo er anfangen soll.
Wenn Sie ehrlich sind und gerade hier stehen: Das ist kein Versagen. Das ist ein Systemproblem. Meist hapert es an den Grundlagen. Und ohne die kommt man aus diesem Muster nicht heraus, egal wie viele Führungsbücher man liest.
Typ 2: Der solide Einzelkämpfer.
Dieser Unternehmer hat sein Handwerk im Griff. Das Unternehmen läuft, aber es läuft mit ihm. Er hat begonnen, Dinge zu delegieren.
Aber richtig loslassen gelingt noch nicht. Wenn er weg ist, entstehen Lücken. Nicht weil das Team schlecht wäre, sondern weil Strukturen und Entscheidungsklarheit fehlen.
Typ 3: Der zögernde Loslasser.
Hier ist meist vieles schon vorhanden. Klare Positionierung. Ein Team, das Verantwortung übernehmen könnte. Aber der Inhaber lässt nicht wirklich los.
Er mischt sich zu oft noch ein – meistens gut gemeint, aber leider oft kontraproduktiv. Das Team lernt: Lieber fragen als entscheiden.
Typ 4: Der unabhängige Unternehmer.
Das Unternehmen läuft auch ohne seine ständige Anwesenheit. Das Team entscheidet eigenverantwortlich. Der Inhaber arbeitet am Unternehmen, also an Strategie, Weiterentwicklung, Zukunft. Er ist kein Flaschenhals mehr. Er ist Gestalter.
Das ist das Ziel. Nicht für jeden morgen erreichbar – aber erreichbar.
Haben Sie sich wiedererkannt? Gut. Dann lassen Sie mich erklären, wie ich zu diesem Bild gekommen bin und wie Sie herausfinden, wo genau bei Ihnen der Hebel liegt.
Warum ich den Check entwickelt habe
Ich arbeite seit mehr als zehn Jahren intensiv mit KMU-Unternehmern zusammen. Mein Thema ist immer dasselbe: Wie schafft ein Unternehmer den Sprung vom operativen Macher zum wirklichen Inhaber, der am statt im Unternehmen arbeitet?
Seit 2020 gibt es mein Leadership Intensive Mentoring Programm: zwölf Monate, in denen ich Unternehmer intensiv begleite. Wir arbeiten an konkreten Strukturen, an Führungskultur, an Eigenverantwortung im Team.
Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel nennen.
Benedikt Stentrup
Benedikt Stentrup war der erste Teilnehmer meines Leadership Intensive Programms überhaupt. Geschäftsführender Gesellschafter der Sanierungstechnik Dommel, knapp 100 Mitarbeiter, ein gesundes Unternehmen, ein erfahrener Unternehmer. Und trotzdem: Zum Zeitpunkt, als wir anfingen, steckte er zu etwa 80 Prozent im operativen Tagesgeschäft.
Innerhalb von zwölf Monaten hat er das auf 20 Prozent reduziert.
Das klingt einfach. Ist es nicht. Dahinter steckt konsequente Arbeit an den Grundlagen, Klarheit über die eigene Rolle, Entscheidungsstrukturen, Führungskultur. Nicht Führungstraining als Pflaster, sondern systematischer Aufbau von unten nach oben.
Was Benedikt mit der freigewordenen Zeit gemacht hat, finde ich besonders bemerkenswert: Er hat seitdem zwei Podcasts gestartet, nebenbei ein Teilzeitstudium in Wirtschaftspsychologie abgeschlossen und das alles als Familienvater mit vier Kindern.
Ich habe ihn genau dazu interviewt und zwar in den Folgen fpg338 und fpg379.
Benedikt ist kein Einzelfall. Er ist das, was möglich ist, wenn man die Grundlagen richtig aufbaut.
Und was ich in diesen sechs Jahren mit der intensiven Arbeit mit inzwischen über 100 Unternehmern regelmäßig gesehen habe, ist:
Das Problem ist selten mangelnder Wille. Vielmehr hapert es häufig an der Selbstführung, an Problemen mit dem Geschäftsmodell, an fehlenden Strukturen und einer Führungskultur, die echte Eigenverantwortung schafft.
Aber – und das ist entscheidend – das Muster ist nicht bei jedem gleich.
Ich hatte Unternehmer, die auf Ebene 2 massiv haken, also keine klare Positionierung haben, jedem Auftrag hinterherlaufen, nie Nein sagen. Und die glauben, ihr Problem sei die Mitarbeiterführung.
Ich hatte andere, die hervorragend positioniert sind, aber keinerlei Entscheidungsstrukturen haben. Alles landet bei ihnen. Nicht weil sie nicht loslassen wollen, sondern weil das System so gebaut ist, dass Loslassen schlicht nicht funktioniert.
Und ich hatte Unternehmer, die auf Ebene 1 – also bei sich selbst – nicht klar sind. Die ständig die Prioritäten verschieben, keine Zeit für Strategie hatten und im Klein-Klein des Tagesgeschäfts untergingen, weil sie nicht loslassen konnten. Und dadurch ihre Mitarbeiter ungewollt verunsicherten.
Je mehr Unternehmer ich begleitet habe, desto klarer wurde: Ich brauche ein Instrument, das dieses Bild schnell und zuverlässig sichtbar macht. Wo steht der Unternehmer gerade? Wie stark ist das Unternehmen noch abhängig von ihm und auf welchen Ebenen sollte er ansetzen? Ein Ergebnis hierzu möchte ich aber nicht erst nach drei Stunden Gespräch, sondern noch bevor ich das erste Gespräch mit ihm habe.
So ist der Unabhängigkeits-Check für Unternehmer entstanden.
Das Modell dahinter
In den Podcastfolgen fpg403, fpg404 und fpg405 hatte ich mein 5-Ebenen-Modell der Unternehmensführung erklärt. Darauf basierend habe ich den Check entwickelt.
Kurz zur Einordnung:
Es gibt fünf Ebenen, an denen jeder Unternehmer systematisch arbeiten sollte – und zwar in dieser Reihenfolge:
Ebene 1: Selbstführung. Ebene 2: Strategische Positionierung. Ebene 3: Vision. Ebene 4: Struktur und Prozesse. Ebene 5: Mitarbeiterführung.
Die Kernaussage: Man kann keine Ebene überspringen. Wer versucht, auf Ebene 5 Mitarbeiter zu entwickeln, aber Ebene 1 nicht im Griff hat, betreibt Kosmetik. Wer Ebene 2 – also seine strategische Positionierung oder sein Geschäftsmodell – nicht im Griff hat, braucht nicht an Ebene 4 der Struktur zu arbeiten. Das macht keinen Sinn.
Was genau ist der Check?
Der Check ist ein strukturiertes Selbst-Assessment. 16 Fragen, verteilt auf die fünf Ebenen des Modells – drei Fragen pro Ebene und eine Sonderfrage.
Das Prinzip ist einfach: Sie beantworten die Fragen ehrlich, bekommen sofort ein Ergebnis und sehen auf einen Blick, wo Sie und Ihr Unternehmen gerade stehen.
Die fünf Kategorien sind direkt aus dem Framework abgeleitet und am Ende des Checks bekommen Sie keine generische Auswertung. Sie bekommen eine klare Einschätzung, in welchem der vier Typen Sie aktuell stecken – und was das bedeutet.
Der Check liefert Ihnen zwei Dinge.
Erstens:
Eine Einschätzung Ihrer Gesamtsituation, also welchem Typ Sie aktuell entsprechen.
Zweitens:
Eine differenzierte Auswertung nach den fünf Ebenen. Sie sehen nicht nur „Sie stehen bei 65%“. Sie sehen, auf welcher Ebene genau der Hebel liegt.
Weil das der häufigste Fehler ist: Unternehmer arbeiten auf der falschen Ebene. Sie investieren in Mitarbeitergespräche und Führungstraining und das eigentliche Problem liegt bei der Positionierung oder bei der Struktur.
Der Check macht sichtbar, wo bei Ihnen noch Handlungsbedarf besteht. Nicht als Diagnose zum Selbstzweck, sondern als Grundlage für den richtigen nächsten Schritt.
Und ja, ich arbeite gerade an einem Buch, das das komplette Framework systematisch aufbereitet. Es erscheint Ende dieses Jahres. Wer den Check macht und in meinem Newsletter ist, wird es als erstes erfahren.
Der Unabhängigkeits Check
Der Check ist kostenlos. Klicken Sie einfach hier.
Wenn Sie Unternehmer sind, machen Sie den. Er dauert etwa fünf Minuten und liefert Ihnen eine Auswertung, über die es sich lohnt, ehrlich nachzudenken.
Wenn Sie dann das Ergebnis haben und konkret wissen wollen, was der nächste Schritt für Sie wäre, schreiben Sie mir gerne eine Mail an info(at)berndgeropp.de. Ich schaue mir Ihr Ergebnis an und wir sprechen darüber, was das für Ihr Unternehmen bedeutet.
Das inspirierende Zitat
„Work on your business, not in your business.“
Michael E. Gerber








