fpg403 – Warum Führung in KMUs scheitert – Das 5-Ebenen-Modell 1/3
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70-Stunden-Woche. Frustrierte Mitarbeiter. Nichts läuft ohne Sie. Und das, obwohl Sie Bücher gelesen haben, auf Seminaren waren, Mitarbeitergespräche führen.
Das Problem liegt nicht da, wo Sie denken.
Heute zeige ich Ihnen, warum die meisten Führungsinitiativen in KMUs scheitern und wo Sie wirklich ansetzen müssen.
Letzte Woche saß ich mit einem Unternehmer zusammen. Softwareentwicklung, 25 Mitarbeiter, seit 12 Jahren am Markt. Er war völlig frustriert.
„Bernd, ich habe alles probiert. Mitarbeitergespräche führe ich regelmäßig. Ich bin auf Seminaren gewesen. Ich habe Bücher gelesen über Delegation. Aber meine Leute kommen trotzdem ständig mit Fragen zu mir. Nichts läuft ohne mich. Und die guten Leute kündigen.“
Ich stellte ihm eine einfache Frage:
„Kannst du mir in drei Sätzen erklären, wofür dein Unternehmen steht?“
Stille. Dann:
„Naja, wir machen halt Software im B2B. Individuelle Lösungen für unsere Kunden.“
Ich fragte:
„Für welche Kunden?“
Seine Antwort:
„Naja, für alle, die individuelle Softwarelösungen brauchen.“
Genau da war das Problem. Dieser Unternehmer versuchte verzweifelt, auf Ebene 5 – der Mitarbeiterführung – Probleme zu lösen, die auf Ebene 1 und Ebene 2 lagen.
Das ist, als würde man versuchen, ein Haus zu bauen und mit dem Dach anzufangen.
Die unbequeme Wahrheit
Die meisten Führungsprobleme in kleinen und mittelständischen Unternehmen sind gar keine Führungsprobleme. Sie sind Grundlagenprobleme.
Ich sehe immer wieder drei typische Muster:
Muster 1: Der überforderte Gründer
Ein Unternehmen wächst von 5 auf 15 Mitarbeiter. Plötzlich funktioniert nichts mehr. Der Inhaber arbeitet 70 Stunden die Woche, ist überall der Flaschenhals und trotzdem laufen die Dinge schief.
Warum? Weil er immer noch wie ein Fachexperte arbeitet statt wie ein Unternehmer.
Muster 2: Die gescheiterte Digitalisierung
Ein Unternehmen investiert fünfstellige Beträge in neue Automatisierungs- und KI-Software. Sechs Monate später ist das Chaos größer als vorher.
Warum? Weil sie ihre kaputten Prozesse digitalisiert haben. Man kann analoges Chaos nicht wegdigitalisieren.
Muster 3: Der unverkäufliche Betrieb
Ein Steuerberater wird 60 und will seine Kanzlei mit 7 Mitarbeitern verkaufen. Drei Interessenten schauen sich die Kanzlei an – und alle gehen wieder.
Warum? Weil sich dort alles um den Inhaber dreht. Diese Kanzlei funktioniert nur, solange der Inhaber jeden Tag da ist.
Das ist kein Unternehmen. Das ist ein selbstgeschaffener Arbeitsplatz. Wer will denn für sowas Geld ausgeben?
All diese Probleme haben eine gemeinsame Ursache: Die Unternehmer haben die 5 Ebenen unternehmerischer Führung nicht systematisch aufgebaut.
Mein „Framework“: Das 5-Ebenen-Modell

Das 5-Ebenen-Modell der Unternehmensführung
Deshalb habe ich das 5-Ebenen-Modell entwickelt. Eigentlich ist es ganz einfach: Es gibt fünf Ebenen, die jeder Unternehmer bearbeitet haben muss.
- Selbstführung
- Strategische Positionierung
- Vision
- Struktur und Prozesse
- Mitarbeiterführung
Das Entscheidende: Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar.
Überspringen von Ebenen?
Man kann keine Ebene einfach überspringen. Wenn ich versuche, auf Ebene 5 Mitarbeiter zu führen, aber Ebene 1 – meine eigene Selbstführung – nicht im Griff habe, wird das scheitern. Garantiert.
Und noch wichtiger: Jede Ebene baut auf der vorherigen auf. Deshalb ist Ebene 1 das Fundament. Ohne solides Fundament bricht alles zusammen.
Im Folgenden schauen wir uns die ersten beiden Ebenen an – das Fundament. In den nächsten beiden Videos dann die darauf aufbauenden Ebenen.
Ebene 1: SELBSTFÜHRUNG
Die erste Ebene ist die Selbstführung. Und hier scheitern schon die meisten. Selbstführung bedeutet drei Dinge:
1. Klarheit über die eigene Rolle
Die zentrale Frage: Bin ich Fachexperte oder Unternehmer?
Die meisten Gründer sind großartige Fachexperten. Sie können ihr Handwerk. Aber als das Unternehmen wächst, merken sie nicht, dass sich ihre Rolle geändert hat.
Sie sind nicht mehr angetreten, um der beste Programmierer, der beste Berater, der beste Handwerker zu sein. Sie sind angetreten, um ein Unternehmen zu führen.
Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Ein Fachexperte fragt:
„Wie löse ich dieses technische Problem?“
Ein Unternehmer fragt:
„Wie baue ich ein System, das Probleme löst, auch wenn ich nicht da bin?“
Solange Sie als Inhaber nicht verstehen, dass Ihre Hauptaufgabe nicht die Facharbeit ist, sondern der Aufbau eines funktionierenden Systems, bleiben Sie im Hamsterrad.
2. Klare Prinzipien
Viele Unternehmer treffen Entscheidungen ad hoc. Heute so, morgen anders. Je nachdem, wie die Stimmung gerade ist.
Das führt zu zwei Problemen:
- Sie sind ständig am Entscheiden. Jede Kleinigkeit landet bei Ihnen.
- Ihre Mitarbeiter wissen nicht, woran sie sind. Sie können nicht vorausahnen, wie Sie entscheiden werden. Also kommen sie lieber zu Ihnen, bevor sie einen Fehler machen.
Sie machen Ihre Mitarbeiter von sich abhängig, anstatt deren Eigenverantwortung zu stärken.
Die Lösung: Klare Prinzipien. Nach welchen Regeln treffen Sie Entscheidungen?
Beispiel:
„Wir arbeiten nicht mit Kunden, die unsere Mitarbeiter anschreien.“
oder:
„Bei uns entscheidet der, der am nächsten am Problem ist.“
oder
„Wir reisen nicht billig, aber preisgünstig.“
Solche Prinzipien geben Ihnen und Ihrem Team einen klaren Rahmen. Sie reduzieren Entscheidungslast massiv.
3. Klare Prioritäten
Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig.
Die meisten Unternehmer haben eine endlose To-Do-Liste. Alles muss gemacht werden. Alles ist dringend. Und am Ende des Tages ist nichts wirklich vorangekommen.
Das Problem ist kein Zeitmanagement-Problem. Es ist ein Selbstführungsproblem.
Sie müssen sich drei Fragen stellen:
- Was mache ich selbst? (Weil nur ich es kann oder weil es strategisch wichtig ist)
- Was delegiere ich? (Weil andere es besser oder mindestens genauso gut können)
- Was lasse ich weg? (Weil es gar nicht gemacht werden muss)
Viele Unternehmer können die dritte Frage gar nicht beantworten. Sie können nichts weglassen. Alles muss erledigt werden. Das führt zu Überlastung und Mittelmäßigkeit.
Fazit Ebene 1:
Ohne Klarheit über Ihre Rolle, ohne Prinzipien und ohne Prioritäten können Sie nicht führen. Punkt. Alles andere ist Kosmetik.
Ebene 2: STRATEGISCHE POSITIONIERUNG
Die zweite Ebene ist die strategische Positionierung. Hier wird es unbequem, denn die meisten KMUs haben keine.
Strategische Positionierung bedeutet: Wofür stehst du im Markt?
Ich stelle immer fünf Fragen:
1. Wofür stehen Sie?
Die meisten Unternehmer antworten mit ihrer Tätigkeit.
„Wir sind ein Ingenieurbüro.“
oder
„Wir machen IT-Beratung.“
oder
„Wir sind ein Handwerksbetrieb.“
Das ist keine Antwort. Das beschreibt, was Sie tun. Nicht, wofür Sie stehen.
Ein Beispiel: Zwei Bäckereien. Beide backen Brot. Aber die eine steht für
„Handwerk und Tradition seit 1920“.
Die andere steht für
„Moderne, gesunde Bio-Backwaren“.
Völlig unterschiedliche Positionierung. Völlig unterschiedliche Kunden.
Wofür steht Ihr Unternehmen?
2. Was ist Ihr Angebot?
Viele sagen:
„Wir bieten alles an, was der Kunde braucht.“
Das ist der Anfang vom Ende.
Wenn Sie alles anbieten, sind Sie austauschbar. Sie sind der Bauchladen. Der Kunde wählt Sie nach Preis oder Verfügbarkeit aber nicht, weil Sie der Beste sind.
Die besten Unternehmen fokussieren sich. Sie haben ein klares Angebot. Und sie sagen bewusst Nein zu allem anderen.
3. Für wen arbeiten Sie? Für wen nicht?
Die unbequemste Frage von allen.
„Für wen arbeiten wir?“
–
„Für alle, die zahlen können.“
Falsch.
Die erfolgreichsten KMUs haben eine klar definierte Zielgruppe. Sie wissen genau, mit wem sie arbeiten wollen und mit wem nicht.
Warum ist das so wichtig? Weil Sie nicht für jeden der Beste sein können. Wenn Sie versuchen, es allen recht zu machen, werden Sie mittelmäßig für alle.
Beispiel: Ein IT-Dienstleister, der sagt:
„Wir arbeiten nur mit Produktionsunternehmen, die Einzel- oder kleine Serienfertigung machen und die zwischen 50 und 200 Mitarbeitern haben.“
Das klingt einschränkend. Ist es auch. Aber dieser IT-Dienstleister kennt diese Produktionsumgebungen sehr genau. Er weiß, welche Probleme exakt diese Unternehmen haben. Er hat Referenzen aus den Branchen und spricht genau die Sprache der Zielgruppe.
Dadurch kann er höhere Preise verlangen – weil er der Spezialist ist.
4. Warum sollte jemand bei Ihnen kaufen statt woanders?
Wenn Ihre Antwort ist:
„Weil wir gut sind.“
oder
„Weil wir zuverlässig sind.“
…dann haben Sie keine Positionierung, denn das sagen alle.
Sie brauchen einen klaren Grund, warum jemand zu Ihnen kommen sollte. Und dieser Grund muss mit Ihrer Positionierung zu tun haben.
5. Was machen Sie nicht?
Die wichtigste Frage.
Erfolgreiche Unternehmen definieren sich nicht nur durch das, was sie tun, sondern durch das, was sie bewusst nicht tun.
Schlechte Positionierung:
„Wir sind ein Full-Service-IT-Dienstleister. Wir machen alles von Netzwerkinstallation bis Cloud-Migration. Für Privatpersonen, kleine Firmen und Konzerne.“
Gute Positionierung:
„Wir sind spezialisiert auf Cloud-Migration für mittelständische Produktionsbetriebe. Wir machen keine Netzwerkinstallationen, keine IT-Support-Verträge, keine Projekte unter 50.000 Euro.“
Die zweite Positionierung schränkt ein. Aber sie schafft Klarheit. Für den Kunden. Für die Mitarbeiter. Für Sie.
Fazit Ebene 2:
Ohne klare Positionierung laufen Sie jedem Auftrag hinterher. Sie bauen kein Unternehmen. Sie sammeln Jobs – und meistens sind das schlecht bezahlte Jobs.
Ausblick
Das Fundament steht aus zwei Ebenen:
Ebene 1 – Selbstführung: Klarheit über Ihre Rolle, klare Prinzipien, klare Prioritäten.
Ebene 2 – Strategische Positionierung: Wofür stehen Sie, für wen arbeiten Sie, was machen Sie nicht.
Ohne diese beiden Ebenen ist alles andere Kosmetik.
Selbstführung und Positionierung sind das Fundament. Aber ohne die drei oberen Ebenen bleibt Ihr Unternehmen ein Torso.
In der nächsten Folge zeige ich Ihnen, warum Vision und Struktur den Unterschied zwischen Chaos und System machen und warum die klassische Mitarbeiterführung erst ganz am Ende kommt.
Wenn Sie jetzt schon wissen wollen, wo es bei Ihnen hakt, schreiben Sie mir eine Mail an info(at)berndgeropp.de. Ich biete Ihnen ein kostenloses Gespräch an, in dem wir uns anschauen, auf welcher Ebene Sie aktuell stehen.
Link zu den beiden anderen Folgen zum 5-Ebenen-Modell
- Teil 2: Vision und Struktur
- Teil 3: Selbstdiagnose: Wo steht Ihr Unternehmen?
