Als Unternehmer raus aus dem Hamsterrad (Teil II)

Raus aus dem Hamsterrad

Foto: Tempus_Fugit/ Quelle: www.bigstock.com

Im ersten Teil dieses Beitrags habe ich Ihnen die entscheidende Frage gestellt:

“Mit welchen Aufgaben verbringen Sie den Großteil Ihrer Zeit:
Fach-, Management- oder Unternehmeraufgaben?”

Wenn Sie aus dem Hamsterrad der zeitlichen Überforderung ausbrechen wollen, beantworten Sie diese Frage ganz ehrlich. Betrügen Sie sich dabei nicht selbst.

Ich kenne Unternehmer, die behaupten, Sie würden fast keine Zeit mit Fachaufgaben verbringen. Frage ich dann aber mal im Detail nach, stellen sie ganz überrascht fest, dass sie sich doch einen Großteil ihrer Zeit um reine Fachaufgaben kümmern. Da wundert es mich nicht, dass sich diese Unternehmer fühlen wie in einem Hamsterrad.

Keine Fachaufgaben als Unternehmer

Spätestens wenn Sie als Unternehmer mehr als eine einstellige Zahl an Mitarbeitern beschäftigen, sollten Sie keine Fachaufgaben mehr erledigen:

Als Inhaber eines Produktionsunternehmens mit 15 Mitarbeitern dürfen Sie nicht mehr selbst an der Maschine stehen.

Als geschäftsführender Gesellschafter einer Softwareschmiede ist es nicht mehr Ihre Aufgabe Programmcode zu schreiben – selbst wenn Sie es gerne tun und selbst wenn Sie es am Besten können.

Fachaufgaben sind die ureigenen Aufgaben Ihrer Mitarbeiter. Sie als geschäftsführender Gesellschafter haben genügend mit den Management- und Unternehmeraufgaben zu tun. Wenn Sie sich nicht darum kümmern, wer dann?

Warum ist es so schwer zu delegieren?

Warum fällt es trotzdem vielen Kleinunternehmern so schwer, Facharbeiten zu delegieren? Der Grund liegt in ihrem Expertenwissen. Viele waren in Ihrer früheren Tätigkeit als Fachkraft ausgewiesene Experten auf Ihrem Gebiet. Sie tun sich deshalb schwer, konsequent Sachaufgaben an Mitarbeiter zu delegieren. Da höre ich häufig Sätze wie diese:

„Die Aufgabe kann keiner so gut wie ich erledigen.“

oder:

„Bis ich das meinen Mitarbeitern erkläre, habe ich es schneller selbst gemacht.“

Gehören Sie auch dazu? Bitte bedenken Sie: Beide Sätze sind fatal, da Sie so nie genügend Freiraum für sich und Ihre wirklichen Aufgaben schaffen können.

Zwar ist es wahrscheinlich richtig, dass Ihre Fachaufgaben beim ersten Mal des Delegierens nicht so schnell und vielleicht auch nicht so gut erledigt werden. Aber einmal müssen Sie mit dem Delegieren ja anfangen.

Delegieren ist zu Beginn eine Art Investment

Eine langsamere Bearbeitung und mögliche Fehler müssen Sie kurzfristig akzeptieren und einkalkulieren. Langfristig gewinnen Sie Zeit und Energie. Wenn Sie mit Ihrem Unternehmen wachsen wollen, haben Sie keine andere Chance als Facharbeiten konsequent zu delegieren!

Wenn Sie die nötige Anleitung und geeignetes Feedback geben, so werden Sie erstaunt sein, wie schnell Ihre Mitarbeiter lernen. In der Regel wird die übertragene Fachaufgabe mittelfristig genauso gut und schnell bearbeitet, wie wenn Sie es gemacht hätten. Manchmal sogar schneller und besser.

Ich habe aber Spaß an der Facharbeit!

Natürlich kann es auch sein, dass Sie die ausgewählte Sachaufgaben gerne selbst übernehmen. Es sind die Fachaufgaben, die ihnen einfach Spaß machen. Hin und wieder eine solche Tätigkeit zu übernehmen wäre eigentlich nicht tragisch. Aber da Ihre Arbeitszeit Ihr Engpass ist, müssen Sie solche Sacharbeiten delegieren. Auch demotiviert es Ihre Mitarbeiter, wenn Sie sich die attraktivsten Sachaufgaben rauspicken.

Es gibt Menschen, die sich absolut nicht davon trennen wollen, Facharbeiten zu erledigen. Das ist ok. Aber so jemand wird es schwer haben, die Rolle des Unternehmers auszufüllen – zumindest, wenn das Unternehmen wachsen will oder bereits mehr als eine einstellige Zahl an Mitarbeitern beschäftigt.

Die Wachstumshürden eines Unternehmens

Wer ein Unternehmen gründet macht zu Beginn fast alles selber. Wenn das Unternehmen dann wächst und mehr Mitarbeiter eingestellt werden, kommt es zur ersten Wachstumshürde.

Das passiert schon etwa ab einer Größe von 5-7 Mitarbeitern. Jetzt muss sich der Unternehmer entscheiden. Wenn er weiter wachsen will, muss er konsequent Fachaufgaben delegieren. Ansonsten fehlt ihm die Zeit für die wichtigen Management- und Unternehmensaufgaben. Hat er diese Zeit aber nicht, wird das Unternehmen nicht wachsen und er wird unzufrieden.

Die zweite Wachstumshürde

Hat der Unternehmer die erste Wachstumshürde erfolgreich genommen und das Unternehmen prosperiert und wächst, kommt es bei etwa 15-20 Mitarbeitern zur zweiten Wachstumshürde. Der Unternehmer delegiert zwar alle Fachaufgaben, hat aber vermehrt das Gefühl, dass er sich nur um operatives Management kümmert und keine Zeit für die wichtigen Unternehmeraufgaben hat. Soll das Unternehmen weiter wachsen, muss er sich stärker um die Unternehmeraufgaben und weniger um die Managementaufgaben kümmern.

Sind Sie in dieser Situation? Dann müssen Sie nicht nur die Fachaufgaben sondern auch die operativen Managementtätigkeiten und Detailentscheidungen delegieren. Hierzu brauchen Sie geeignete interne Unternehmensstrukturen und Mitarbeiter, die diese Managementfunktionen übernehmen.

Als Unternehmer müssen Sie die Strategien erarbeiten, Sie müssen wissen, was Ihre Kunden wollen und wie Ihr Unternehmen den Kunden nutzt. Als Unternehmer führen und kontrollieren Sie die Manager Ihrer Firma.

Der Endzustand

Langfristig sollten Sie Ihr Unternehmen so aufbauen, dass es zumindest im operativen Geschäft auch vollständig ohne Sie funktioniert. Stefan Merath hat die Entwicklung der Unternehmerpersönlichkeit treffend beschrieben:

„Das Unternehmen ist der Spiegel der Unternehmerpersönlichkeit. Beide können sich nur gemeinsam entwickeln. Wenn Ihr Unternehmen wächst, haben Sie zwei Möglichkeiten. Entweder Sie wachsen mit und Sie haben Erfolg. Oder Ihr Unternehmen wächst Ihnen über den Kopf und Sie gehen unter!“

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Hier geht es zum ersten Teil des Beitrags: “Als Unternehmer raus aus dem Hamsterrad (Teil I)

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Kommentare

Als Unternehmer raus aus dem Hamsterrad (Teil II) — 1 Kommentar

  1. Der letzte Satz fast es gut zusammen. Eine Firma sollte von alleine funktionieren. Ich weiß nicht mehr welches Buch es war, aber ich hatte mal eins zum Thema Start-Ups gelesen, dort hat der Autor gesagt, wer mehr als 3 Stunden pro Woche arbeitet macht was falsch.
    Was aber darauf bezogen war, dass man so planen soll, dass man nicht benötigt wird.

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