fpg433 – Das Heldenparadox: Wie Unternehmen zum Engpass werden
Podcast: Play in new window | Download
Subscribe: RSS
In den letzten 3 Monaten habe ich intensiv an meinem neuen Buch gearbeitet. Ich freu mich sehr, dass ich es jetzt endlich so fertig habe, dass ich das Manuskript nun zum Lektor schicken konnte.
Wie lautet der Titel?
Struktur schlägt Heldentum
Struktur schlägt Heldentum – Das 5 Ebenen Modell für Unternehmer, die aufhören wollen der Engpass zu sein.

Das fertige Manuskript: Struktur schlägt Heldentum
Es richtet sich an Unternehmer typischerweise mit 10 bis 100 Mitarbeitern. Ich beschreibe dort, wie man als Unternehmer aus der persönlichen Unentbehrlichkeit herauskomm.
Es geht darum, sein Unternehmen so aufzustellen, dass Verantwortung von den eigenen Führungskräften und Mitarbeitern wirklich übernommen und gelebt wird. Das ist ja häufig ein gefühltes Problem der Unternehmer.
Der Unternehmer als Engpass
Ich habe versucht es sehr direkt zu schreiben, halt auf den Punkt. An manchen Stellen wirkt es vielleicht sogar schonungslos.
Warum? Immer wieder erlebe ich, dass Unternehmer auf das Problem dass sie der Engpass sind, mit Selbsttäuschung reagieren. Sie wollen es einfach nicht wahrhaben bzw. Sie erkennen zwar, dass da was nicht stimmt, suchen die Lösung aber meist an den falschen Stellen.
Dass sie der Engpass sind, ist ja nur das Symptom, nämlich alles hängt an ihnen, obwohl sie ja eigentlich Mitarbeiter und Führungskräfte haben. Sie delegieren zwar, aber trotzdem landen die Aufgaben immer wieder bei Ihnen auf dem Schreibtisch.
Die Unternehmeraufgaben bleiben liegen
Das bedeutet dann dass für wichtige Unternehmeraufgaben unter der Woche kaum Zeit bleibt und so sitzen sie samstags und sonntags zuhause oder im Büro vor dem Laptop. Weil dann können Sie endlich mal ohne Unterbrechungen und ohne Mitarbeiterfragen in Ruhe an Ihrem Unternehmen arbeiten. Die Familie findet dass nicht so toll. Verständlicherweise.
Sie haben das sicher schon häufig gehört: Der Unternehmer soll mehr am und weniger im Unternehmen arbeiten. Klingt einfach, in der Umsetzung ist es das aber nicht.
Im folgenden bekommen Sie einen kleinen Ausschnitt aus dem ersten Kapitel des Buchs: „Der Unternehmer als Engpass“.
Fangen wir an:
Das Heldenparadox
Der Unternehmer glaubt, sein Unternehmen braucht ihn, weil er so gut ist. Das Problem ist: Das stimmt sogar. Und genau darin liegt die Falle.
Ich nenne das das Heldenparadox. Was nach Stärke aussieht, ist Abhängigkeit. Die Unverzichtbarkeit des Unternehmers wird zum Engpass des Unternehmens. Durch sie muss jeder einzelne Vorgang hindurch, bevor er weitergehen darf. Ein Engpass, der in keiner Bilanz auftaucht und doch jeden Arbeitstag prägt.
Solange der Unternehmer als Sicherheitsnetz dient, wird sein Team dieses Sicherheitsnetz nutzen. Das hat nichts mit schwachen Mitarbeitern zu tun. Wer kann sich schon erlauben, eine Frage selbst zu entscheiden, wenn sie am Ende ohnehin auf den Tisch des Inhabers wandert? Niemand.
Und so wandert sie immer öfter dorthin. Die Mitarbeiter werden zurückhaltender. Das Sicherheitsnetz, das für den Notfall gedacht war, trägt jetzt den ganzen Alltag. Beide Seiten arrangieren sich.
„Ich bin der Flaschenhals“
In den letzten fünfzehn Jahren habe ich mit vielen Inhabern mittelständischer Betriebe gearbeitet. Ein und denselben Satz höre ich immer wieder:
„Ich komme nicht raus aus dem Tagesgeschäft. Ich bin überall der Flaschenhals. Und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“
Die Branchen sind unterschiedlich, das Bild ist identisch.
Wenn ich mit Unternehmen zusammen arbeite erkenne ich da 5 Heldenmuster.
Ja ich weiß Heldentum das klingt wie Comic, aber gemeint hier ist die eher nüchterne Beschreibung dessen, was viele Inhaber in mittelständischen Betrieben tatsächlich tun und was ich damals bei meinem ersten Unternehmen, einem Start-Up auch getan habe.
Es sind konkrete Persönlichkeitszüge, die sich wie Stärken anfühlen, weil sie lange Zeit Stärken waren. Diese Züge haben das Unternehmen zwar aufgebaut, halten es heute aber klein. Fünf Muster sehe ich immer wieder:
5 Heldenmuster
Muster 1: Permanente Rettung.
Der Chef springt ein, wenn etwas brennt. Bei jeder Eskalation wird er gerufen, weil er sicher löst und sicher entscheidet.
Das Team lernt schnell, was das bedeutet: Wenn es schwierig wird, ruft man oben an. Wenn es ganz schwierig wird, ruft man auf das Privathandy. Die Belohnung für dieses Verhalten ist Lob, Erleichterung, weitergehende Aufträge. Eine bessere Konditionierung Ihrer Mitarbeiter gibt es nicht.
Muster 2: Operative Unersetzlichkeit.
Bestimmte Kunden gehen nur über den Chef. Auch bestimmte Angebote werden nur vom Chef freigegeben. So geht es auch mit bestimmten technischen Fragen. Die kann halt nur der Chef beantworten obwohl eigentlich andere diese Aufgaben übernehmen könnten.
Der Grund liegt allein darin, dass diese Aufgaben nie systematisch übergeben wurden. Aus jedem „Mache ich nochmal selbst“ wird über Jahre ein „Kann ich nicht übergeben“. Aus jedem „Kann ich nicht übergeben“ wird ein „Will ich nicht übergeben“.
Die Hierarchie dieser Sätze ist niemandem bewusst, aber sie verändert schleichend das Unternehmen, das nur noch mit dem Unternehmer als Engpass funktioniert.
Muster 3: Kontrollreflex.
Selbst wenn delegiert wird, kehrt der Reflex zurück. Noch einmal drüber schauen. Noch einmal nachhaken. Im Zweifel selbst entscheiden, weil es ja „schnell gehen muss“.
Der Mitarbeiter, der die Entscheidung treffen sollte, merkt sich das. Beim nächsten Mal fragt er dann besser vorher. Beim übernächsten Mal entscheidet der Chef wieder. So hat der Unternehmer über die Zeit den Mitarbeiter darauf trainiert, die Entscheidung abzugeben.
Sie kennen ja meinen Spruch:
„Nach spätestens zwei Jahren hat jeder Unternehmer genau die Mitarbeiter, die er verdient.“
Ist das nicht ein wenig hart und schonungslos? Ja, ich habe Sie vorhin gewarnt: Kuschelkurse gibt es woanders.
Muster 4: Identität über Gebrauchtwerden.
Der Wert der eigenen Person speist sich aus der Unersetzlichkeit. Wer auf das eigene Privathandy schaut und vierzehn ungelesene Nachrichten findet, fühlt sich nicht überlastet. Er fühlt sich wichtig.
Wer nicht mehr gebraucht würde, müsste sich eine Frage stellen, die er sich seit zwanzig Jahren nicht stellen musste: Wer bin ich dann?
Muster 5: Stolz auf Überlastung.
Sechzig Stunden, Wochenendarbeit, kein richtiger Urlaub seit Jahren. Im Gespräch mit Kollegen aus dem Unternehmerverband ist das kein Problem, sondern Beleg. Beleg für Einsatz. Beleg für Loyalität. Beleg dafür, dass man „nicht zu denen gehört, die nur mit den Füßen auf dem Schreibtisch sitzen“.
Der Satz wird mit einer Mischung aus Erschöpfung und Stolz vorgetragen. Beides ist echt. Beides ist Teil des Problems.
Die Muster verstärken sich gegenseitig
Diese fünf Muster sind selten einzeln zu finden. Sie verstärken sich gegenseitig. Wer rettet, wird unersetzlich. Wer unersetzlich ist, kontrolliert. Wer kontrolliert, definiert seinen Wert über das Gebrauchtwerden.
Wer seinen Wert über Gebrauchtwerden definiert, trägt seine Überlastung als Ehrenzeichen. So entsteht über Jahre, was später wie ein Charakter aussieht: der Inhaber, der nicht anders kann.
Wann kommt das Buch?
Soweit mal ein kleiner Auszug aus meinem Buch. Wann kommt es raus? Der Buchlaunch ist im November. Ich werde hier immer mal wieder darüber berichten, wie so der Stand der Dinge ist.
Viele denken ja, na wenn das Manuskript fertig ist, dann kann das doch auch sehr schnell gehen. Ja, nicht wirklich. Egal ob das Lektorat ist, das Buch Cover oder die Marketingplanung. All das braucht Zeit. Wie heißt es so schön: „Gut Ding will Weil haben“.
Ach ja, und ein gratis Workbook gibt es dann auch noch zum Buch. Lassen Sie sich überraschen.
Übrigens: Vielleicht haben Sie sich ja in einem oder mehreren dieser Heldenmuster wiedererkannt. Wenn Sie wissen wollen, wie stark Sie selbst bereits zum Engpass in Ihrem Unternehmen geworden sind, machen Sie doch meinen kostenlosen Unabhängigkeits-Check:
Der Unabhängigkeits-Check
Wissen Sie eigentlich, wie abhängig Ihr Unternehmen heute wirklich von Ihnen ist?
Die meisten Inhaber haben da ein Gefühl, aber kein klares Bild. Sie wissen, dass zu viel an ihnen hängt. Aber wo genau? Und was wäre der nächste sinnvolle Schritt?
Genau dafür habe ich den Unabhängigkeits-Check entwickelt.
16 Fragen, fünf Minuten und Sie sehen schwarz auf weiß, wie es um Ihr Unternehmen in fünf zentralen Bereichen steht: von Ihrer persönlichen Führung über Struktur und Strategie bis hin zu Ihrem Team.
Am Ende bekommen Sie ein individuelles Ergebnis und zwar mit einer konkreten Einschätzung, wo Sie heute stehen und worauf es für Sie als nächstes ankommt.
Das inspirierende Zitat
„Du hast kein Unternehmen, du hast dir nur einen Job geschaffen – und dein Chef ist ein Idiot.“
Michael E. Gerber

