fpg452 – Warum kluge Unternehmer wissen, was zu tun ist, und es trotzdem nicht tun
Podcast: Play in new window | Download
Subscribe: RSS
Stellen Sie sich einen Unternehmer vor, der ein Hörbuch über Unternehmertum hört. Einmal pro Woche. Elf Jahre lang. Das sind über 550 Durchgänge. Er kennt jede Methode aus diesem Buch auswendig.
Und dann sitzt er in einem Seminar und rechnet seine finanzielle Reichweite aus. Also die Frage: Wenn morgen der Umsatz auf null geht, wie lange überlebt das Unternehmen? Seine Antwort: sechs Stunden.
Sechs Stunden. Nach elf Jahren mit dem Buch.
Diese Geschichte stammt aus einem Video von dem von mir sehr geschätzten Stefan Merath. Die Geschichte zeigt etwas, was ich in meiner Arbeit mit Geschäftsführern ständig sehe: Wissen ist selten das Problem.
Darum geht es heute. Um die Frage, warum kluge Unternehmer Dinge wissen und trotzdem nicht umsetzen und handeln. Und was Sie dagegen tun können.
3 weitere Gedanken
aus dem Video will ich Ihnen mitgeben:
1. Methoden sind heute Allgemeingut.
Vor zehn Jahren mussten Sie ein Buch lesen oder ein Seminar besuchen, um eine Vertriebsmethode kennenzulernen. Heute fragen Sie die KI. Die liefert Ihnen in Sekunden jede Methode, angepasst auf Ihr Geschäftsmodell. Die Methode macht nicht mehr den Unterschied.
2. Die innere Haltung schlägt die Methode.
Ob eine Methode funktioniert oder nicht ist individuell. Der Unterschied liegt in der Person, ob die Methode zur Person passt und ob die Person umsetzt.
3. Veränderung entsteht durch radikale Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
Hierzu erzählt Stefan von einem Fahrschulinhaber mit sechs Mitarbeitern. Der kommt ins Seminar und sagt: Ich brauche mehr Systeme. Konkret ein System für die Abrechnung.
Die Fahrlehrer geben ihre Stunden nicht an die Buchhaltung weiter. Nachfrage: Alle Fahrlehrer? Nein, nur einer. Ja, wer denn? Ich selbst. Und warum machen sie das nicht? Weil die Buchhaltung meine Ex-Frau ist, und mit der spreche ich nicht mehr.
Da wollte also jemand ein System bauen, um ein Problem zu umgehen, das er längst kannte. Andere Beispiele sind Unternehmer, die sagen, sie arbeiten 50 bis 60 Stunden. Nachgerechnet sind es aber über 80. Oder Unternehmer, die sagen, die finanzielle Reichweite liegt bei ein bis drei Monaten. Nachgerechnet sind es dann nur elf Tage.
Stefans Fazit: Solange wir uns diese Geschichten erzählen, gibt es keinen Handlungsimpuls. Ehrlichkeit tut weh. Deshalb vermeiden wir sie. Und deshalb brauchen wir ein Umfeld, das uns hinterfragt.
Meine Einordnung
Seine Beobachtung deckt sich durchaus auch mit meiner. Aber mir fehlt hier etwas.
Ich möchte das gerne anhand meines 5-Ebenen Modells erläutern.
Die 5 Ebenen ganz kurz: Ganz unten steht Selbstführung. Darüber kommen strategische Positionierung, Vision, Struktur und Prozesse und ganz oben die Mitarbeiterführung.
Die meisten Probleme, die mir Geschäftsführer schildern, klingen nach Ebene fünf, also der Mitarbeiterführung. Der Mitarbeiter liefert nicht, das Team zieht nicht mit. Das sind Symptome. Tatsächlich entstehen die meisten dieser Probleme aber auf den unteren Ebenen, insbesondere der Ebene eins, also beim Unternehmer selbst.
Genau das beschreibt Stefan. Der Fahrschulinhaber hatte kein Abrechnungsproblem. Er hatte ein Selbstführungsproblem.
Mein Akzent: Klarheit
Jetzt zu dem Punkt, den ich ergänzen möchte. Stefan spricht von Ehrlichkeit. Ich spreche von Klarheit. Das klingt ähnlich, es sind aber zwei Schritte.
Ehrlichkeit beantwortet die Frage: Wie ist es wirklich? Klarheit beantwortet die Frage: Was folgt daraus? Ehrlichkeit ist die Voraussetzung. Klarheit ist das Ergebnis. Und erst aus Klarheit entsteht eine Entscheidung.
Ein Beispiel. Sie rechnen ehrlich nach und stellen fest: Die Reichweite beträgt elf Tage. Das ist Ehrlichkeit. Klarheit heißt: Ich weiß, welche zwei Kunden ich diese Woche anrufe und welche Ausgabe ich morgen stoppe. Zwischen den beiden Schritten bleiben viele Unternehmer stehen trotz radikaler Ehrlichkeit. Das heißt Sie wissen, wie es ist. Sie wissen nur nicht, was sie jetzt tun sollen.
Aus meiner Erfahrung brauchen Unternehmer Klarheit auf vier Feldern.
- Zahlen, Daten, Fakten
Also Reichweite, Marge, Liquidität. In Tagen und Euro, nicht im Gefühl. - Die eigene Rolle.
Was mache ich tatsächlich den ganzen Tag? Und was sollte ich als Geschäftsführer eigentlich tun? - Wo steht das Unternehmen in drei Jahren? Und zwar so konkret, dass ein Mitarbeiter es in zwei Sätzen wiedergeben kann.
- Mit wem geht es weiter? Und mit wem nicht? Das ist die Frage, die am längsten verschoben wird.
Ich habe für mich selbst ein paar Grundsätze aufgeschrieben, nach denen ich führe. Einer davon lautet: Klarheit ist wichtiger als Harmonie. Ich erkläre Ihnen an einem kleinen Beispiel, was ich damit meine.
Stellen Sie sich vor, Sie haben als Geschäftsführer gerade klar gesagt: Unsere Meetings beginnen ab sofort pünktlich um neun. Eine Woche später kommt Ihr Mitarbeiter Hugo fünf Minuten zu spät herein.
Jetzt entscheidet sich, ob Ihre Aussage, ihre Regel eine Erwartung war oder nur ein Wunsch.
Wenn Sie lächeln und sagen: „Kein Problem, Hugo. Setz Dich, ich fasse mal für Dich kurz zusammen, was wir besprochen haben.“
Ja dann haben Sie für Harmonie gesorgt. Gleichzeitig haben Sie allen anderen im Raum gezeigt: Meine Regeln sind nicht so gemeint. Sie sind verhandelbar. Ob die anderen dann das nächste Mal pünktlich sind? Ich bezweifle das.
Klarheit statt Harmonie
Genau deshalb ist Klarheit in Führung wichtiger als Harmonie.
Jetzt noch ein Gedanke, der mir wichtig ist. Mein neues Buch heißt „Struktur schlägt Heldentum“. Und Stefans Fahrschulbeispiel könnte so klingen, als wären Systeme das Problem. Das Gegenteil ist aber der Fall. Der Fahrschulinhaber wollte eine Struktur bauen, bevor er Klarheit hatte, welches Problem sie lösen soll. Das funktioniert nie.
Die Reihenfolge lautet: Erst Ehrlichkeit, dann Klarheit, dann Struktur. Ehrlichkeit zeigt mir, wie es ist. Klarheit sagt mir, was ich will. Struktur sorgt dafür, dass es ohne mich läuft.
Wer bei Schritt eins schummelt, baut in Schritt drei Systeme um Probleme herum. Wer Schritt zwei überspringt, hat zwar ehrliche Zahlen, aber keinen Plan und baut entweder die falschen oder unnötige Strukturen auf.
Lassen sie mich Ihnen eine Aufgabe für die Woche mitgeben.
Beantworten Sie schriftlich diese Frage:
„Welche Entscheidung schiebe ich seit mehr als drei Monaten vor mir her?“
Ein Satz genügt. Wenn Sie den Satz aufgeschrieben haben, wissen Sie, wo Ihnen Klarheit fehlt.
Selbstreflexion allein reicht meist nicht. Wir erzählen uns unsere Geschichten so lange, dass wir sie selbst glauben. Man braucht jemanden von außen, der nachfragt. Der hinterfragt und sagt:
„Moment mal. Da passt was nicht.“
Unser Strategie Workshop
Genau dafür haben wir unseren Strategie-Workshop entwickelt. Ein halber Tag, eins zu eins, bei uns in Aachen. Sie, Coach Ersin und ich. Keine Gruppe, nur wir drei.
Vorab füllen Sie unseren Unabhängigkeits-Check aus. Der zeigt uns schon vor dem Termin, wo es bei Ihnen hakt. Und genau da setzen wir an.
Eine feste Agenda gibt es nicht. Die wäre nur die nächste Methode, und darüber haben wir heute genug gesprochen. Wir haben fünf Bereiche im Blick: Ihre Rolle als Unternehmer, Ihre Kundenstruktur, Ihre Vision, Ihre Organisation und Ihre Führungsarbeit.
Welcher davon im Workshop die meiste Zeit bekommt, entscheidet Ihre Situation. Bei dem einen liegt der Engpass in der Kundenstruktur. Beim anderen in der eigenen Rolle. Zwei Unternehmer, zwei völlig verschiedene Nachmittage.
Was Sie mitnehmen, ist deshalb auch kein Standardpaket. Es ist Ihr 90-Tage-Fahrplan. Mit den Entscheidungen, die Sie bisher vor sich hergeschoben haben. Mit geklärten Rollen. Und mit einer Vision, die Sie danach in zwei Sätzen sagen können.
Der Workshop richtet sich an Inhaber und Geschäftsführer etablierter mittelständischer Unternehmen.
Mir ist wichtig: Wer hier eine schnelle einfache Lösung sucht, ist bei uns falsch. Wir arbeiten an Klarheit und die kann manchmal unbequem oder sogar schmerzhaft sein Sie bringt Sie aber wirklich weiter.
Interessiert? Der erste Schritt ist ein kostenloses Vorgespräch. Da klären wir, ob der Workshop zu Ihrer Situation passt. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an info@berndgeropp.de.
Das Buch: Struktur schlägt Heldentum
Zum Schluss in eigener Sache: In meinem neuen Buch „Struktur schlägt Heldentum“ steckt alles, was ich in über fünfzehn Jahren Arbeit mit Unternehmern über den Weg aus dem Engpass gelernt habe.
Es erscheint im November. Das komplette erste Kapitel schicke ich Ihnen gerne schon heute kostenlos zu.
Klicken Sie einfach hier. Damit sind Sie dann auch automatisch bei allen Neuigkeiten zum Buchstart vorne mit dabei.
Weiterführende Links
- Video von Stefan Merath:
https://youtu.be/6uCt-moP1vI?si=GT6nlWxh_8khiqnE - Mein Buch vorbestellen auf Amazon:
https://www.amazon.de/dp/B0HG1KV8R8 - Der Unabhängigkeits-Check für Unternehmer
https://www.mehr-fuehren.de/check/ - Strategie-Workshop:
https://www.mehr-fuehren.de/strategie-workshop/
Das passende Zitat
„„Der Preis ist, was Sie bezahlen. Der Wert ist, was Sie bekommen.“
Warrren Buffet

