fpg416 – Der Reality Check: „Bin ich ein guter Unternehmer?“
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Heute spreche ich über eine Frage, die ich in den letzten Wochen mehrfach gehört habe – nicht direkt ausgesprochen, aber deutlich spürbar, zwischen den Zeilen, in den Gesprächen am Rande.
Bin ich eigentlich ein guter Unternehmer?

Vielleicht kennen Sie diesen Moment. Sie liegen abends im Bett, der Tag war lang, die To-do-Liste ist länger als morgens, und irgendwo in diesem Rauschen taucht dieser Gedanke auf.
Nicht laut. Eher leise. Fast beiläufig.
Aber er bleibt.
Diese Frage ist keine Schwäche. Sie ist kein Zeichen dafür, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt. Es ist das Zeichen, dass Sie eine der wertvollsten Eigenschaften haben, die ein Unternehmer haben kann. Lassen Sie mich das näher erklären.
Die Lüge, die täglich auf Ihrem Bildschirm erscheint
Kennen Sie das auch? Wenn Sie LinkedIn öffnen, Instagram, oder ähnliche Plattformen, dann entsteht sehr schnell ein bestimmtes Bild von der Welt.
Alle wachsen. Alle skalieren. Alle haben das nächste große Ding. Alle trinken ihren Morgenkaffee mit perfektem Ausblick und wissen genau, wohin die Reise geht.
Von echten Problemen, von Rückschlägen, von Momenten, in denen man nicht weiter weiß, von schlaflosen Nächten, von Entscheidungen, bei denen man einfach keine gute Option hat. Davon bekommen Sie kaum etwas mit.
Und wenn doch, dann ist es sorgfältig verpackt.
„Ich habe damals versagt, aber dann habe ich es geschafft. Jetzt bin ich der Beweis dafür, dass alles möglich ist.“
Ich glaube, dass nennt man im englischen „Humble Bragging“. Es klingt nach Bescheidenheit. Ist es aber nicht. Es ist Marketing in Verkleidung.
Für viele Unternehmer ist dieses Bild nicht nur nervig – es ist gefährlich.
Denn das Gehirn macht automatisch Vergleiche. Das können Sie nicht abstellen. Sie sehen die sorgfältig kuratierten Highlights der anderen und vergleichen sie mit Ihrer eigenen Realität hinter den Kulissen. Mit dem, was Sie wirklich erleben. Mit dem, was Sie nachts beschäftigt.
Das ist kein fairer Vergleich. Und Sie verlieren ihn immer.
Was passiert dann? Sie beginnen, die eigenen Fähigkeiten infrage zu stellen. Sie bauen unnötigen Druck auf zu einem Bild, das gar nicht existiert.
Im schlimmsten Fall verlieren Sie den Kontakt zu Ihrer eigenen Einschätzung, zu Ihrer Intuition. Und irgendwann läuft man nur noch auf Autopilot.
Ich weiß, dass viele Unternehmer dieses Gefühl kennen. Und ich sage das nicht, um es schön zu reden, sondern weil ich glaube, es ist wichtig, es beim Namen zu nennen.
Was wirklich passiert, wenn die Fassade fällt
Wir hatten vor kurzem unser Mastermind-Wochenende mit Kunden aus dem Leadership Intensive.
Und ich möchte Ihnen erzählen, was mich dort sehr bewegt hat.
Wir arbeiten dort mit dem sogenannten „Hot Seat“-Format. Das bedeutet: Wer möchte, stellt sich vor die Gruppe. Man kann sich auch hinsetzen, wir haben einen schönen gelben Sessel speziell dafür.
Dort hat dann der Teilnehmer die Möglichkeit über sein aktuell größtes Problem zu sprechen und die anderen um Feedback oder eine Einschätzung zu bitten.
Wichtig dabei offen zu sein. Kein Schönreden. Keine Fassade. Und das klingt einfacher als es ist.
Denn was viele erleben, wenn sie das zum ersten Mal tun: Die eigenen Probleme wirken plötzlich banal. Fast zu simpel, um sie überhaupt auszusprechen. Man denkt:
„Das kann doch nicht mein ernstes Problem sein. Die anderen werden das kaum ernst nehmen.“
Und genau in diesem Moment entsteht der Gedanke: Ich bin wohl der Einzige, der damit kämpft.
Aber genau das Gegenteil ist der Fall.
Wir hatten einige neue Unternehmer dabei, die schon länger an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. Ich sage das bewusst so: an ihrer Belastungsgrenze. Nicht „die hatten viel zu tun“. Sondern Menschen, die ehrlich gesagt nicht mehr wussten, wie sie das alles stemmen sollen. Die Herausforderungen, die sie mitgebracht haben, waren groß, teilweise größer, als man es von außen jemals vermuten würde.
Aber das ist eben die Realität außerhalb der Social-Media-Blase.
Mein Freund und Podcastkollege Maik Pfingsten war auch wieder mit dabei und er hat es in der Abschlussrunde auf den Punkt gebracht – ich zitiere ihn direkt:
„Hier kommen echte Menschen mit echten Problemen zusammen und kein LinkedIn-Posterboy oder Dubai-Ingo mit seinem Lambo. Und jeder merkt: Unsere Probleme sind alle lösbar.“
Ich finde diese Aussage außerordentlich treffend. Nicht wegen des Humors, sondern wegen der Message dahinter.
Echte Menschen. Echte Probleme. Und die Erkenntnis: Es ist lösbar.
Diese drei Dinge zusammen – das ist es, was in diesem Raum passiert. Und was auf LinkedIn so gut wie nie passiert.
Der Mut, den kaum jemand sieht
Diese Unternehmer, die sich an diesem Wochenende vor eine Gruppe stellen und offen über das sprechen, was sie nicht gelöst bekommen – das erfordert Mut.
Echten Mut. Nicht die Sorte Mut, die sich gut auf LinkedIn macht. Sondern die Sorte, die wehtut. Die, bei der man sich verletzbar zeigt.
Sie ziehen sich bewusst ein ganzes Wochenende aus dem operativen Alltag heraus. Nicht um sich auszuruhen, sondern um an sich selbst zu arbeiten. Um Fragen zu stellen, die man im Tagesgeschäft verdrängt.
Und dann kommen manchmal aus der Gruppe Rückmeldungen, die man im ersten Moment nicht hören möchte.
Rückmeldungen, die an etwas rühren, das man vielleicht schon lange ahnte – aber nie ausgesprochen hat. Die zeigen, wo man sich selbst im Weg steht. Wo man Dinge schönredet, die man eigentlich längst ändern müsste.
Diese Rückmeldungen anzunehmen ohne sofort in den Widerstand zu gehen, ohne sich zu rechtfertigen, ohne das Ego dazwischenzuschieben, das ist nicht selbstverständlich.
Aber genau das ist der Moment, in dem Entwicklung beginnt. Das sind echte Veränderungen. Weil echte Erkenntnisse dahinterstecken.
Was einen guten Unternehmer wirklich ausmacht
Zurück zur Ausgangsfrage: Bin ich wirklich ein guter Unternehmer?
Ich werde Ihnen keine Checkliste geben. Keine zehn Punkte, die Sie abhaken können.
Aber ich sage Ihnen, was ich immer wieder beobachte und zwar bei den Menschen, die sich wirklich weiterentwickeln, die aus Krisen gestärkt hervorgehen und die mit der Zeit ruhiger und klarer werden, statt nervöser.
- Sie schaffen sich bewusst Raum, um an sich und ihrem Unternehmen zu arbeiten. Das klingt banal. Ist es aber nicht. Die meisten Unternehmer sind so tief im Tagesgeschäft gefangen, dass dieser Schritt wirklich rauszutreten und das Unternehmen von außen zu betrachten, sich anfühlt wie Luxus. Dabei ist er Notwendigkeit.
- Sie sind bereit, unbequeme Wahrheiten zu hören. Und das ist schwieriger, als es klingt. Denn unser Ego ist gut darin, Kritik umzudeuten, abzupuffern, zu relativieren. Der Satz „Ja, aber bei mir ist das ja ganz anders…“ ist ein Abwehrmechanismus. Ein verständlicher – aber oft ein teurer.
- Sie stellen ihr Ego hinten an, wenn es darum geht, eine Lösung zu finden. Nicht dauerhaft. Nicht in allem. Aber in dem Moment, in dem es zählt.
Das sind keine Eigenschaften, die spektakulär aussehen. Man sieht sie nicht auf LinkedIn. Aber sie sind der Unterschied zwischen Unternehmern, die wachsen und solchen, die auf der Stelle treten, ohne zu verstehen warum.
Sie sind nicht allein – und das ist keine Floskel
Jeder Unternehmer und jedes Unternehmen hat Probleme, nicht nur Herausforderungen. Probleme. Richtige Probleme.
Und kein Unternehmen ist davon ausgenommen. Nicht das scheinbar erfolgreiche aus Ihrer Branche. Nicht das mit dem perfekten LinkedIn-Profil. Nicht das, bei dem von außen alles reibungslos wirkt.
Der Unterschied liegt nicht darin, ob Sie Probleme haben. Der Unterschied liegt darin, wie Sie damit umgehen.
Und das Entscheidende ist: Jeder, der ein Unternehmen führt oder geführt hat, kennt diese Momente.
Diese Momente, in denen man sich jemanden wünscht, der die eigene Situation wirklich versteht. Nicht jemanden, der sofort eine Lösung parat hat. Nicht jemanden, der aufmuntert, um aufzumuntern.
Sondern jemanden, der ehrlich hinschaut, der die Komplexität versteht, der selbst Unternehmer ist oder war und der ohne Fassade, auf Augenhöhe, sagt, was er wirklich denkt.
Was mich jedes Mal berührt, ist die Hilfsbereitschaft in diesem Raum. Gestandene Unternehmer, die bereits durch wirklich schwierige Phasen gegangen sind, die wissen, wie es sich anfühlt, wenn man keinen Ausweg sieht und die bereit sind, ihre Erfahrungen offen zu teilen. Nicht um zu glänzen. Sondern weil sie wissen, wie wertvoll genau das für sie selbst war, als sie in dieser Situation steckten.
Das ist der Reality Check.
Wann haben Sie zuletzt mit jemandem gesprochen, der Ihre Situation als Unternehmer wirklich versteht?
Der die Wahrheit sagt, auch wenn sie unbequem ist? Der kein Interesse daran hat, Ihnen nach dem Mund zu reden?
Wenn Ihnen gerade niemand einfällt – dann ist das vielleicht die wichtigste Information aus dieser Folge.
Genau dafür haben wir das Leadership Intensive Mentoring Programm für Unternehmer geschaffen, inklusive dem Mastermind-Wochenende. Einen Raum, in dem echte Menschen mit echten Herausforderungen zusammenkommen. Ohne Fassade, ohne Show.
Das inspirierende Zitat
„Wer nach außen schaut, träumt. Wer nach innen schaut, erwacht.“
Carl Jung
