Detlef und Bernd

Detlef Massorz interviewt Bernd Geropp

Die  100. Folge von Führung auf den Punkt gebracht! Zu diesem runden Jubiläum habe ich mir einen langjährigen guten Freund und Podcastkollegen eingeladen: Detlef Massorz.

Detlef kenne ich schon seit über 15 Jahren. Er dreht den Spieß heute mal um. Anstatt dass ich jemanden interviewe, wird er heute mal mich interviewen. Es geht dabei ins Eingemachte, er fragt nach  Persönlichem.

Wir unterhalten uns über meinen bisherigen Berufs- und Lebensweg, wir sprechen darüber, was mich geprägt hat, er fragt nach meinen Fehlern als Unternehmer und Führungskraft, und was ich daraus gelernt habe. Auch geht es darum, wie ich persönlich versuche mit Stress umzugehen und was Lebensqualität für mich bedeutet.

Die heutige Podcastfolge ist übrigens nur ein Ausschnitt aus einem Interview. Das gesamte Interview gibt es in seinem Podcast zu hören. Der Podcastname: „Go for Quality Time„.

Dort interviewt Detlef interessante Persönlichkeiten. Er spricht über deren Erlebnisse und Erfahrungen und was man als Hörer daraus für sich und seine eigene Lebensqualität im Alltag ziehen kann. Hören Sie da mal unbedingt rein. Ich verspreche Ihnen es lohnt sich.

 

Hast Du ein Lebensmotto?

„Alles Große und Entscheidende im Leben ist ein Wagnis!“

Gibt es ein absolutes „No No“ bei Dir? 

„Unschuldige für einen persönlichen Vorteil zu opfern!“

Bitte gib kurz Deinen beruflichen Werdegang wieder!

Elektrotechnik studiert, promoviert, HighTech-Start Up gegründet und 5 Jahre geführt,
dann an einen Konzern verkauft und dort 9 Jahre im mitteren Management weltweit gearbeitet, Teams aufgebaut, viel gereist und weltweit 350 Mitarbeiter geführt.

Ende 2009 wieder selbstständig gemacht, diesmal als Berater, Führungstrainer und Geschäftsführercoach.

Was war Deine Motivation/ Dein Antrieb, in 2009 von der Position eines GF aus dem mittleren Management eines multinationalen Großkonzerns wieder zurück in die Selbständigkeit zu wechseln? Für einen Außenstehenden bist Du damit ja im ersten Moment ein Risiko eingegangen, raus aus einem scheinbar sicheren Hafen mit entsprechendem Gehalt eines GFers in ein komplett neues Terrain und das auch noch mit Familie, was die Verantwortung ja auch erhöht.

Mir hat damals die Arbeit mit Kunden und Mitarbeitern viel Spaß gemacht. Mit den Teams in allen Herren Ländern zusammen zu arbeiten war klasse. In den ersten 6 Jahren war auch alles sehr spannend und ich hab viel gelernt. in den letzten 3 Jahren aber habe ich immer mehr gemerkt, dass ich nicht für das Konzernumfeld geschaffen bin. Mir war immer sehr wichtig für wen ich gearbeitet habe. Es gab hervorragende Chefs und es gab – sagen wir mal – nicht so gute Chefs. Da gab es dann immer mehr Reibereien. Ich konnte meinen Mund nicht halten und diese politischen Spielchen in den oberen Hierarchien konnte und wollte ich auch nicht mehr mitspielen.

Ich denke, mein Hauptmotiv mich wieder selbstständig zu machen, war Unabhängigkeit.

Da ich mir etwas Geld auf die Seite gelegt hatte, war das Risiko der Selbstständigkeit auch sehr begrenzt. Das Risiko meiner ersten Selbstständigkeit mit dem HighTech Unternehmen war da sicher viel höher.

Was ist heute anders in Deinem Denken und Empfinden als Selbständiger im Vergleich zu Deiner ersten Selbständigkeit vor über 20 Jahren (mit realem Beispiel)? Was hat sich für Dich verändert bzw. wie hast Du Dich verändert?

Ich glaube, dass sich mein damaliges Selbstverständnis zu stark darauf gründete, dass ich mich als Fachexperten gesehen habe. Ich war noch in der Rolle des Fachexperten. In meine eigentlichen Rollen als Verkäufer, als Führungskraft und als Unternehmer bin ich erst mit der Zeit reingewachsen. Ich habe da früher einiges falsch gemacht.

In die erste Selbstständigkeit bin ich aus heutiger Sicht blauäugig rein gestolpert. Ich hatte nach wie vor die Rolle des Entwicklers inne. Ich dachte wir haben ein tolles Produkt entwickelt und das müssen wir jetzt einfach nur noch fertig entwickeln, produzieren und verkaufen. Die typische Sicht eines Technikers. Der größte Aufwand ist die Entwicklung, das Verkaufen geht dann von alleine. Ganz falsch! Es heißt nicht umsonst: „Der Verkauf ist die Seele des Geschäfts.“ 

Entscheidend ist nicht, dass ich von meinem Produkt überzeugt bin und es toll finde, sondern dass ich mich mit den Kunden beschäftige und mit dem für den Kunden wahrgenommenen Mehrwert beschäftige.

Ich war zu sehr auf das Produkt fokussiert und nicht auf den Kunden. Diese Rollenveränderung – weg vom Entwickler/ Techniker mit Produktverliebtheit hin zur Verkäufer-/ Unternehmersicht mit Kundenorientierung: das braucht Zeit!

Einer meiner größten Fehler damals war, dass wir uns zu breit aufgestellt hatten und uns nicht auf wenige Kundensegmente fokussiert hatten.

Was war Deine bisher größte berufliche Herausforderung und wie hast Du sie gemeistert?

Als größte berufliche Herausforderung sehe ich die schwierige Situation im 5.Jahr unseres Start-Ups.

Wir hatten einen Venture-Kapitalgeber im Unternehmen, wir hatten 20 Mitarbeiter und ein Umsatz und Profitabilitätsproblem. Auf Deutsch: Wir machten Miese.

Wir hatten den Aufwand für Marketing und Vertrieb unterschätzt. Größere Projekte und Aufträge kamen viel später rein als wir geplant hatten. Teilweise wussten wir nicht, ob und wie wir die Gehälter in den nächsten Monaten zahlen sollten.

Der Venture Kapitalgeber wollte kein Geld nachschießen und mein Partner und ich bürgten schon für eine 6 stellige Summe bei den Banken. Das Problem dabei: Ich hatte keine Rücklagen.

Ich hätte keine Chance gehabt, für die Bürgschaften in Höhe von 300.000 EUR gerade zu stehen. Wäre unser Unternehmen pleite gegangen, hätte ich Privatinsolvenz anmelden müssen. Ich war verheiratet, hatte 2 kleine Kinder und nichts auf der hohen Kante.

Jemand der eine solche Situation noch nicht durchlebt hat, kann das schwer nachvollziehen, welche Existenzängste das auslösen kann. Ich bin da regelrecht in eine Depression gefallen.

Glücklicherweise hatte ich den Start-Up gemeinsam mit einem Geschäftspartner gegründet und geführt. Zu zweit war eine solche Situation besser durchzustehen als alleine. Mein Partner hatte die damalige Situation emotional besser im Griff als ich. Das war eine große Hilfe. Und natürlich der Rückhalt durch meine Frau, die mich besonders in dieser Zeit stark auch emotional unterstützt hat.

Glücklicherweise hatten wir in dieser Zeit verschiedene Interessenten, die unser Unternehmen kaufen wollten. Die Verhandlungen waren sehr nervenaufreibend aber zum guten Schluss verkauften wir das Unternehmen an einen großen Maschinenbaukonzern.

Wir hatten Glück. Es war die richtige Zeitpunkt. Kurz vor dem Platzen der DotCom Blase. Einige Monate später hätte das nicht mehr geklappt!

Was würdest Du heute Leuten raten, die eine Selbständigkeit anstreben?

Egal, welche Art von Selbstständigkeit man anstrebt, entscheidend ist, dass man sich glasklar darüber wird, wem man mit seiner Tätigkeit oder seinen Produkten nutzen will. Die richtige Positionierung ist entscheidend – und diese Positionierung kann und wird sich mit der Zeit ändern. Man muss ich immer wieder damit auseinandersetzen.

Aus heutiger Sicht werde ich sicher kein Unternehmen mehr gründen, was ich nicht mit eigenem Geld aufbauen kann (Bootstrapping).

Wenn ich zu wenig Geld habe, dann versuche ich ein Geschäftsmodell zu finden, das mir erlaubt, unabhängig zu bleiben.

Deswegen mein Tipp:
Wer eine Selbstständigkeit anstrebt, sollte sich als Erstes mal klar darüber werden, warum er es machen will. Was ist die eigene persönliche Motivation dahinter? Welche Unterstützung habe ich durch meine Familie, Partner etc.?

Man sollte darauf achten, Handlungsspielraum zu behalten. Manchmal muss es nicht schwarz oder weis sein. Angestellter oder Selbstständiger. In der heutigen Zeit des Internets kann ich mir erst mal nebenher etwas aufbauen. Ich muss nicht direkt den Job kündigen, wenn ich sehr sicherheitsbedürftig bin. Ich kann in meiner Freizeit erst mal Geschäftsmodelle testen. Ich kann meinen bisherigen Angestelltenjob vielleicht auch als Teilzeitarbeiter weitermachen. Es gibt viele Möglichkeiten.

Auch halte ich es für wichtig, dass man sich Ziele setzt, aber immer im Wissen, dass es anders kommt als geplant. Helmuth von Molke hat es treffend gesagt:

„Kein Plan übersteht die erste Feindberührung!“

Unternehmerischer Erfolg basiert auf Durchhaltevermögen und Trial and Error. Es gibt keinen schnellen Erfolg. Man muss viel ausprobieren und es geht viel schief.

Das ist nicht schlimm, solange man wieder aufstehen kann, also nicht alles verloren hat oder alles investiert hat. Mir geht es damit am Besten, wenn ich weiß, welche Optionen ich habe, wenn etwas schief geht.

Gibt es ein besonderes Ereignis mit einem besonderen Menschen aus Deiner Vergangenheit, welches Deinen weiteren Lebensweg geprägt hat und in welcher Form? Welche Schlüsse hast Du daraus für Dich gezogen?

Ich komme aus einem eher auf Sicherheit bedachten Familienumfeld. Als es darum ging, die Entscheidung zu treffen, ob ich ein Start-Up gründe oder nicht, hatte mir mein Vater und meine Mutter davon abgeraten.

Mein Schwiegervater hingegen ermunterte mich. Er gab mir damals seinen Leitspruch mit auf den Weg. Den Leitspruch habe ich für mich übernommen:

„Alles Große und Entscheidende im Leben ist ein Wagnis.“

Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Es geht darum, immer wieder aus der eigenen Komfortzone rauszugehen, um sich weiter zu entwickeln. Etwas zu machen, vor dem man Angst hat, weil es sehr groß scheint, schwierig ist, mit Risiko verbunden ist, das ist es worum es geht.

Das ist es woran die eigene Persönlichkeit wächst. Ja, und scheitern gehört da manchmal mit dazu. Jeder fällt hin und macht Fehler. Entscheidend ist, dass man wieder auf steht.

Was sind typische Situationen, die bei Dir Stress auslösen und wie gehst Du damit um? Wie bringst Du Dich in den Erhol-Modus, zum Abschalten?

In negativer Weise gestresst fühle ich mich, wenn ich mal wieder zu viel zugesagt habe und die Zeit nicht reicht. Das hasse ich. Ich versuche dann mit allen Mitteln meine Zusage zu halten und das artet manchmal in Stress aus.

Wie gehe ich damit um? Ich arbeite an mir, häufiger mal NEIN zu sagen. Das fällt mir in manchen Situationen aber schwer.

Erholen im Sinne von Abschalten kann ich sehr gut beim musizieren. Ich spiele amateurhaft Klavier. Egal ob man in einer Band spielt oder ob man alleine spielt, man muss sich darauf konzentrieren. Man kann nicht parallel etwas anderes machen. Das ist für mich erholsam.

Und das andere  ist ganz einfach: Schlafen!

Was bedeutet für Dich Lebensqualität?

Unabhängigkeit! Meine Zeit so zu verbringen und einzusetzen, wie ich es will. Mir von niemanden etwas sagen lassen müssen.

Einfach an einem Werktag morgens aufstehen und mit meiner Frau um 11 Uhr morgens in die Stadt gehen und dort einen Kaffee trinken. Es ist meine Zeit, es ist meine Entscheidung!

Sachen ausprobieren. Sich weiter entwickeln. Sich mit Dingen beschäftigen, die bedeutsam für mich sind. Für mich Unwichtiges, Banales an andere delegieren zu können oder einfach nicht machen zu müssen, z.B.: Steuererklärungen oder ähnlicher bürokratischer Wahnsinn.

 

Das inspirierende Zitat

„Die Weisheit eines Menschen misst man nicht nach seiner Erfahrung, sondern nach seiner Fähigkeit Erfahrungen zu machen!“

George Bernhard Shaw

 

Weiterführende Links

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