Mitarbeitermotivation

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Vor kurzem sprach ich mit einem jungen High-Tech Unternehmer. Er beschwerte sich über seine Mitarbeiter. Die würden nicht mitdenken, seien nicht motiviert, wollten aber ständig mehr Geld. Er verdrehte die Augen und fragte mich deprimiert:

„Ich will doch nur motivierte Mitarbeiter.
Ist das denn zu viel verlangt?“

Nein, ist es nicht. Es ist eine Binsenweisheit: Nur mit motivierten Mitarbeitern können Sie langfristig erfolgreich sein. Als Unternehmer oder Geschäftsführer prägen Sie die Mitarbeitermotivation in Ihrem Unternehmen – allerdings anders vielleicht als Sie denken.

Können Sie Mitarbeitermotivation kaufen?

Kurzfristig ja, aber es ist gefährlich. Geld mag anziehend wirken, es motiviert aber nicht nachhaltig!

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern zu wenig Gehalt zahlen, dann demotivieren Sie Ihre Mitarbeiter! Der Umkehrschluss funktioniert aber nur in Ausnahmefällen: Zahlen Sie überdurchschnittlich mehr Gehalt, führt das keineswegs dazu, dass Ihre Mitarbeiter langanhaltend höher motiviert wären.

Die Krux mit Bonuszahlungen

Manche glauben, dass sie mit Bonussystemen die Motivation Ihrer Mitarbeiter beherrschen und steuern können. Ein Bonus wird dann gezahlt, wenn der Mitarbeiter eine bestimmte Leistung erbringt. – Eigenartig. Warum macht der Unternehmer das? Für die Erbringung dieser Leistung hat sich der Mitarbeiter doch in seinem Arbeitsvertrag verpflichtet und das Unternehmen zahlt ihm dafür sein Gehalt, oder?

Wenn Sie mit Geld motivieren wollen, dann unterstellen Sie dem Mitarbeiter, er arbeite nicht voll. Sie glauben, einen Teil seiner Arbeitsleistung enthält er Ihnen vor. Deshalb bezahlen Sie ihm z.B. nur 80 %. Durch eine in Aussicht gestellte Bonuszahlung von 20 % am Ende des Jahres wollen Sie diese Lücke in seiner Arbeitsleistung schließen, wenn er seine Leistung erbracht hat.

Reinhard K. Sprenger hat diese Art der Bonuszahlung treffend als Misstrauensabschlag bezeichnet (aus seinem lesenswerten Buch „Mythos Motivation“). Mit solcher Art von Bonuszahlungen verdächtigen Sie Ihre Mitarbeiter, nicht leistungsbereit zu sein. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ist das nicht. Ist es motivierend?

Was ist denn nun Mitarbeitermotivation?

Mit der Motivation von Mitarbeitern ist das so eine Sache. Wann ist ein Mitarbeiter motiviert?

Allgemein formuliert verstehe ich unter Motivation:
Die Kraft unserer Psyche, die unser Verhalten antreibt und steuert!

Motivation ist also der Beweggrund für eine bestimmte Verhaltensweise eines Menschen. Die Motivationsforschung unterscheidet dabei zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation.

Extrinsische Motivation

Wenn Sie einem Esel eine Karotte vor die Nase halten, ist das extrinsische Motivation. Den Esel motivieren Sie so zum Weiterlaufen und Lasten tragen.

Mitarbeitermotivation

Extrinsische Motivation: Photo: deDMazay & phodopus/ Quelle: www.bigstock.com

Übertragen auf die Unternehmenswelt: Sie ersetzen einfach die Karotte durch die Aussicht auf eine Prämie, einen Bonus oder eine Beförderung. Schon motivieren Sie extrinsisch.

Übrigens: wenn Sie Ihrem Mitarbeiter eine Bestrafung androhen, motivieren Sie auch extrinsisch, beispielsweise:

„Herr Müller, wenn Sie nicht ab sofort pünktlich um 7 Uhr zur Arbeit erscheinen, dann gibt‘s eine Abmahnung!“

Egal ob Belohnung oder Bestrafung: Bei der extrinsischen Motivation handelt es sich um etwas von außen kommend. Pointiert formuliert: ein extrinsisch motivierter Mitarbeiter sagt sich:

„Ich tue es, weil ich es tun muss, sonst …“

Intrinsische Motivation

Führt jemand hingegen eine Handlung aus um der Handlung selbst willen, ist er intrinsisch motiviert. Die Tätigkeit macht ihm entweder einfach Spaß, er nimmt sie als sinnvoll wahr oder sie stellt für ihn eine interessante Herausforderung dar.

Ein intrinsisch motivierter Mitarbeiter sagt sich:

„Ich tue es, weil ich es tun will!“

Extrinsische Motivation fokussiert

Die Aussicht auf Belohnung wie auch die Vermeidung von Strafe sind immer situationsabhängig. Durch extrinsische Motivation erreichen Sie Fokus. Allerdings wirkt die extrinsische Motivation nur so lange, wie die Belohnung in Aussicht gestellt ist bzw. der Zwang ausgeübt wird. Wenn Sie extrinsisch motivieren, arbeiten Ihre Mitarbeiter nicht der Sache wegen!

Ist ein Mitarbeiter hingegen intrinsisch motiviert, sind keine von außen steuernden Einflüsse nötig. Wenn Sie Wert legen auf Kreativität, Eigenverantwortung und Zuverlässigkeit, dann brauchen Sie Mitarbeiter, die intrinsisch motiviert sind.

Extrinsische Motivation lähmt Kreativität

Die Aussicht auf Belohnung oder Bestrafung ist dann – und nur dann – motivierend und sinnvoll, wenn

  • Routineaufgaben nach einfachen Regeln abgearbeitet werden sollen.
  • Ein eindeutiges Ziel vorgegeben ist.
  • der Weg dorthin klar beschrieben und nachvollziehbar ist.

Ein typisches Beispiel hierfür ist die Fließbandarbeit im Akkord. Es funktioniert durchaus, Mitarbeiter für solche Aufgaben extrinsisch zu motivieren.

Für Aufgaben hingegen,

  • die keine Routine sind
  • die Nachdenken erfordern
  • bei denen der Lösungsweg unklar ist
  • die Kreativität erfordern

hilft extrinsische Motivation nicht. Sie wirkt sogar kontraproduktiv. Die Aussicht auf Belohnung oder Bestrafung führt nur dazu, dass sich der Mitarbeiterfokus auf eben diese Belohnung oder Bestrafung fokussiert. Dabei sollte der Fokus doch auf der Kreativität liegen.

Brauchen Sie mitdenkende, kreative Mitarbeiter, setzen Sie sie nicht unter Druck. Druck lähmt Kreativität, egal ob in negativer Form als Bestrafung oder in positiver Form als Belohnung.

Welche Motivation brauche ich in meinem Unternehmen?

Im normalen Unternehmensalltag wirken intrinsische und extrinsische Motivation nebeneinander. Je höher allerdings der Anteil der intrinsischen Motivation desto besser.

Warum? Die meisten Aufgaben in einem Unternehmen sind keine reinen Routinetätigkeiten mehr. Die meisten reinen Routineaufgaben werden heutzutage längst von Maschinen ausgeführt. Deshalb brauchen Sie Mitarbeiter, die mitdenken:

  • Mitarbeiter, die Ihre teure Werkzeugmaschine bedienen.
    Oder können Sie denen jeden Handgriff vorgeben, damit sie genau wissen, wie sie die Maschine zu bedienen haben?
  • Mitarbeiter, die für Sie beim Kunden sind.
    Die sollen doch nicht auf Biegen und Brechen möglichst viele Ihrer Produkte verkaufen. Die sollen Ihre Kunden so betreuen, dass die auch später wieder bei Ihnen kaufen.
  • Mitarbeiter in der Entwicklungsabteilung.
    Wenn die nicht kreativ sind und neue Produkte entwickeln, was soll Ihr Unternehmen dann demnächst anbieten?

Wie kann ich meine Mitarbeiter intrinsisch motivieren?

Daniel H. Pink hat es meiner Ansicht nach gut auf den Punkt gebracht. Er sagt, dass intrinsisch motivierte Menschen folgendes auszeichnet:

  • Wunsch nach Autonomie
    Sie wollen an einer Aufgabe selbständig mit möglichst hohem Maß an Freiraum arbeiten.
  • Streben nach Meisterschaft
    Sie wollen an einer Aufgabe wachsen. Sie wollen in einer für sie wichtigen und bedeutenden Sache immer besser werden.
  • Sinn
    Was sie machen muss sinnvoll sein. Sie wollen mit dem, was sie tun, etwas Größeres als sie selbst unterstützen.

Daniel H. Pink erläutert in folgendem Video humorvoll die Erkenntnisse der Motivationsforschung über extrinsische und intrinische Motivation. Absolut sehenswert! Leider in englischer Sprache.

 

Was heißt das für Sie als Unternehmer?

Beschäftigen Sie sich nicht so sehr damit, wie Sie Ihre Mitarbeiter motivieren können. Achten Sie stattdessen vor allem darauf, dass Sie Ihre Mitarbeiter nicht demotivieren.

  • Knausern Sie nicht bei der Bezahlung.Bezahlen Sie Ihre Mitarbeiter adäquat und fair.
  • Seien Sie konsequent und berechenbar.
  • Spielen Sie nicht den Mikromanager!Geben Sie Ihren Mitarbeitern Entscheidungsfreiheit und führen Sie mit Zielen und Vertrauen.
  • Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter bei ihrer Weiterentwicklung, bei ihrem Bestreben, besser zu werden.
  • Beantworten Sie die Frage, warum es sich lohnt in Ihrem Unternehmen zu arbeiten.

 

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Kommentare

So funktioniert Mitarbeitermotivation! — 2 Kommentare

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  2. Aufgrund der Erfahrungen aus Mitarbeiterbefragungen in unterschiedlichsten Firmen und Bereichen kann ich nur zustimmen dass der Vorgesetzte eine sehr wichtige Rolle bei der Motivation der Mitarbeiter spielt. Dieser kann ausschlaggebend dafür sein ob seine Mitarbeiter gerne zu der Arbeit kommen oder nicht.
    Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Arbeitsbedingungen, sehr viele Mitarbeiter beschweren sich über ihr Arbeitsumfeld, das Material mit dem sie arbeiten müssen und geben oft auch sehr gute Verbesserungsvorschläge. Zum Beispiel wie Räumlichkeiten ansprechender für Kunden gestaltet werden könnten oder Reparaturen vorgenommen werden müssen.
    Was jedoch sehr selten vorkommt ist, das sich jemand über die Arbeit beschwert die er verrichten muss.