Warum Sie als Manager mehr aktiv zuhören sollten!

aktiv zuhören

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Die Mehrzahl der deutschen Arbeitnehmer halten Ihren Chef für einen schlechten Zuhörer. Das zeigte eine Untersuchung der Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft. Tragisch. Viele Missverständnisse im täglichen Miteinander ließen sich vermeiden – wenn sich Manager nur die Zeit nähmen, einfach zu zuhören.

Warum fällt Führungskräften aktives Zuhören so schwer?

Manager wollen als aktive Macher wahrgenommen werden. Aktivität scheint ihnen häufig ein vermeintliches Gefühl der Kontrolle zu geben. Zuhören hingegen wird fälschlicherweise mit Passivität und Unterwürfigkeit gleichgesetzt. Viele Führungskräfte konzentrieren sich deshalb mehr auf das Sprechen statt auf das Zuhören. Der Chef hat schließlich das „Sagen“.

Wer nicht zuhört, trifft eher Fehlentscheidungen!

Viele Manager hören nur kurz zu und bilden sich viel zu früh eine Meinung. Sie leiden unter „vorzeitiger Evaluation“. Sie beurteilen Aussagen von Mitarbeitern viel zu schnell, anstatt erst mal das Gesagte aufzunehmen, nachzufragen und nachzuvollziehen.

Gehören Sie auch dazu? Bewerten und reagieren Sie schon, während Ihr Mitarbeiter noch spricht? Dann hören Sie ihm eigentlich nicht mehr wirklich zu. Sie sind schon mit Ihren eigenen Gedanken zur Problemlösung beschäftigt und nehmen sich nicht die Zeit, das Problem im Detail zu verstehen. Missverständnisse und Fehlentscheidungen sind so vorprogrammiert.

Den Dingen auf den Grund gehen

Wenn in Ihrem Unternehmen etwas schief läuft, konzentrieren Sie sich nicht nur auf Zahlen, Daten und Fakten. Sie müssen den Dingen wirklich auf den Grund gehen. Das können Sie nur, wenn Sie versuchen die dahinterliegenden Emotionen und Motivationen der Menschen zu verstehen. Dazu müssen Sie fragen und zuhören – aber richtig.

Nicht verhören sondern zuhören

Beim aktiven Zuhören lassen Sie sich auf Ihren Gesprächspartner ein. Sie begegnen ihm mit einer empathischen und offenen Grundhaltung. Sie fragen nach bei Unklarheiten und versuchen die Gefühle des anderen zu erkennen und anzusprechen. Sie versuchen sich innerlich in die Situation des Sprechers zu versetzen.

Wichtig dabei ist es, dass Sie Ihre eigene Meinung zurückhalten. Lassen Sie sich durch Vorwürfe und Kritik nicht aus der Ruhe bringen. Bedenken Sie: Zuhören heißt nicht gutheißen!

Verstehen und Vertrauen gewinnen

Gerade bei schwierigen Mitarbeitern ist es wichtig, deren Emotionen und Motivationen zu verstehen. Warum verhält sich der Mitarbeiter genau so? Wie sieht er den Sachverhalt? Was ist seine Realität?

Vermeiden Sie es, voreilige Schlüsse zu ziehen. Gute Zuhörer vermitteln Wertschätzung und gewinnen dadurch Vertrauen. Sie erhalten wertvolle Informationen, können Situationen besser einschätzen und vermeiden dadurch Missverständnisse.

Tipps für besseres Zuhören

1.
Tun Sie nicht nur so, sondern hören Sie wirklich aufmerksam zu. Lassen Sie sich ganz auf Ihren Gesprächspartner ein.

2.
Gute Zuhörer sind auch immer gute Fragensteller. Erkundigen Sie sich, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Wiederholen Sie mit eigenen Worten, was sie verstanden haben. Dabei fassen Sie sich kurz.

3.
Die Fähigkeit zum aktiven Zuhören braucht Zeit. Akzeptieren Sie, dass Sie sich am Anfang hölzern und unwohl in Ihrer Rolle vorkommen können.

4.
Es erfordert Selbstvertrauen, offen und unvoreingenommen auf andere zu zugehen und ihnen zu zuhören. Gerade als Chef müssen Sie es aushalten, unangenehme Dinge oder Kritik aufzunehmen ohne sich direkt zu rechtfertigen.

5.
Lernen Sie, Pausen zu lieben. Widerstehen Sie dem Drang, etwas zu sagen, wenn eine Pause entsteht. Einer meiner Chefs sagte mir mal: „Ein Gespräch führt man, indem man schweigt.“

6.
Sind Sie jemand, der gerne zu viel spricht? Dann machen Sie sich folgendes klar: Prinzipiell ist Ihr Gegenüber viel mehr an sich und seinen Wünschen und Problemen interessiert als an Ihren Wünschen und Ihren Problemen. Deshalb: Reden Sie weniger – und reden Sie weniger von sich selbst. Stellen Sie Ihren Gesprächspartner in den Mittelpunkt – egal ob das ein Kunde, ein Kollege oder ein Mitarbeiter ist.

Im folgenden Video bemerkt Jochen Mai sehr treffendend:

„Mir ist kein Fall bekannt, bei dem sich jemand um Kopf und Kragen zugehört hätte – was das Reden anbelangt allerdings schon.“

Hier sein sehenswertes Video:

„Reden ist Silber – Zuhören Gold“

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Kommentare

Warum Sie als Manager mehr aktiv zuhören sollten! — 2 Kommentare

  1. Hallo Herr Geropp,

    ein wichtiger Artikel, sind doch nicht allzuviele der Führungskräfte in der Lage, ein wirklich konstruktives Gespräch zu führen. Ein gedankliche Anmerkung zu folgendem Satz:

    „Ein Gespräch führt man, indem man schweigt.“

    Ein gutes, produktives Gespräch entsteht dann, wenn beide oder alle Gesprächspartner achtsam dafür sind, wann sie die Führung übernehmen und wann es eher im Dienst des Gesprächs und seiner Zielsetzung ist, die Führung wieder abzugeben. Führung an sich ist sinnentleert, so wie für mich hierarchische, formal-juristisch fixierte Führungspositionen kontraproduktiv bis hin zu zerstörerisch sind.

    Herzlich,
    Andreas Zeuch

    • Hallo Herr Zeuch,

      herzlichen Dank für Ihren Beitrag. Ihr Satz: “Ein produktives Gespräch entsteht dann, wenn beide oder alle Gesprächspartner achtsam dafür sind, wann sie die Führung übernehmen und wann es eher im Dienst des Gesprächs und seiner Zielsetzung ist, die Führung wieder abzugeben.” kann ich nur unterstreichen.

      Herzliche Grüße
      Bernd Geropp

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